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Hier funkt’s nicht ordentlich

Es ist noch immer ein Dauerthema für Handybesitzer: Zwar kann man mittlerweile fast von überall aus seine E-Mails abrufen und Urlaubsfotos ins Internet stellen. An einigen Orten im Landkreis lässt sich aber bis heute nicht störungsfrei telefonieren. Gleichzeitig hält ein neuer Standard für schnelle Datenübertragung Einzug.

Marion Ehlers* weiß, wann das Funkloch kommt. Immer, wenn sie von Bad Bederkesa durch Drangstedt zu ihrer Tochter fährt, streikt das Telefon. „Mir ist das aufgefallen, weil ich immer kurz durchrufe, ehe ich sie besuche“, sagt Ehlers. Wenn sie den Anruf nicht vor der Ortseinfahrt nach Drangstedt abgesetzt hat, wird’s ein Überraschungsbesuch.

Wo genau es Funklöcher gibt, ist schwer zu ermitteln. Zwar stellen die Betreiber Karten über die Netzabdeckung im Internet zur Verfügung. Löcher sind dort aber selten zu finden. Informationen kommen in der Regel von den Nutzern selbst. So bietet beispielsweise die Internetseite www.kein-netz.de die Möglichkeit, Funklöcher zu melden.

„Es gibt keine Karte mit zuverlässigen Daten zu den Funklöchern“, sagt René Henn von der Bundesnetzagentur, die unter anderem für die Beaufsichtigung der Mobilfunknetze zuständig ist. Mit Blick auf die Netzabdeckung gibt es für die Anbieter Vorgaben, die sich nach der Einwohnerzahl in bestimmten Gebieten richten. „Die Unternehmen erfüllen diese Anforderungen und sind bestrebt, eine vollständige Abdeckung zu gewährleisten“, betont Henn. Funklöcher sind also ärgerlich, die Mobilfunkanbieter haben allerdings ihre Aufgaben erfüllt. Aus Sicht der Unternehmen ist die Netzabdeckung im flachen ländlichen Norden ohnehin recht gut, da es wenig Störungen durch Gebirge gibt.

Highspeed für die Dörfer

Auf einem anderen Gebiet war die Versorgung im ländlichen Raum allerdings lange ein Problem: Schnelle Internetverbindungen konnte man in vielen Dörfern nicht bekommen. Mit einer Versteigerung, die im Mai 2010 abgeschlossen wurde, sollte das Problem behoben werden.

Dabei ging es um Frequenzen, die früher für militärische Zwecke oder im analogen Rundfunkbereich genutzt wurden. Nun wird ein Teilbereich davon für einen neuen Mobilfunkstandard verwendet, der als Long-Term-Evolution, kurz LTE, bezeichnet wird (siehe Kasten).

Die Vergabe war allerdings an bestimmte Bedingungen geknüpft. So mussten zunächst die Netze in den ländlichen Regionen ausgebaut werden, die noch nicht über schnelles Internet verfügen. Erst wenn ein Großteil der Bevölkerung in diesen, für die Unternehmen finanziell weniger interessanten, Gebieten versorgt ist, darf der Ausbau in größeren Ballungsgebieten begonnen werden. Kürzlich teilte das Niedersächsische Wirtschaftsministerium mit, dass die Anforderungen an die Versorgung im ländlichen Raum erfüllt seien.

Und tatsächlich ist die Versorgung mit LTE im Landkreis schon weit vorangeschritten. So sind insbesondere die Gebiete östlich der A 27 bereits weitgehend erschlossen. Das Unternehmen Vodafone möchte beispielsweise zu den fünf bestehenden Sendeanlagen in diesem Jahr noch neun weitere mit LTE-Standard ausrüsten. Derzeit würden im Landkreis 23 000 Haushalte mit LTE versorgt, so ein Sprecher des Unternehmens. Auch andere Anbieter wollen das Netz weiter ausbauen, nennen aber keine Zahlen.

Für die Internetverbindung zuhause gibt es seit einem guten Jahr Angebote der großen Anbieter. Im Bereich der Mobiltelefone begann Anfang März der Verkauf des ersten LTE-fähigen Handys. Die Telefonie spielt aber beim Einsatz von LTE eine geringe Rolle. Die Technologie soll vorrangig zur Datenübertragung genutzt werden. Für die Sprachübertragung soll weiterhin das traditionelle GSM-Netz verwendet werden – mitsamt der Funklöcher. *Name geändert

 

Long-Term-Evolution

Der Mobilfunkstandard, der mit LTE abgekürzt wird, ist der Nachfolger der UMTS-Technologie. Mit ihm ist eine sehr viel schnellere Datenübertragung möglich. Zudem kann durch LTE eine höhere Reichweite erzielt und somit schneller eine bessere Netzabdeckung erreicht werden.

Dieser Artikel ist am 7.04.2012 in der Nordsee-Zeitung erschienen.

Radtourismus in der Sackgasse

Über 1000 Kilometer Radwege verlaufen durch den Landkreis Cuxhaven. Das Netz der Kreisstraßen ist nicht einmal halb so groß. Für die Beschilderung der Routen stehen jährlich 4000 Euro zur Verfügung. Aus Sicht von Radfahrern und Experten reicht das bei weitem nicht aus, um künftig auf dem wachsenden Radtourismus-Markt konkurrenzfähig zu sein.

Beim Anblick mancher Schilder kann Bernd Ehlers nur noch den Kopf schütteln. „Als Radfahrer muss ich teilweise absteigen, um die noch richtig lesen zu können, so verschmutzt sind die Schilder“, beklagt Ehlers. Er ist Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Cuxhaven und fährt mit dem Rad rund 5000 Kilometer im Jahr.

Im Großen und Ganzen ist er mit den Radwegen im Landkreis zufrieden. Das Netz ist riesig, die Routen abwechslungsreich. Aber ohne Karte würde auch er sich nicht auf den Weg machen. Manchmal sind die Schilder nicht nur schlecht zu lesen, sondern zeigen in die falsche Richtung oder fehlen schlicht.

Der Eindruck des Radfahrers täuscht nicht. Tatsächlich ist insbesondere die Beschilderung der Radrouten im Landkreis ein Problem. Die Agentur für Wirtschaftsförderung Cuxhaven hat im vergangenen Jahr zusammen mit den Kommunen den größten Teil der 22 Landkreisrouten überprüft. Sie bestätigen den Eindruck von Ehlers: Es gibt Verbesserungsbedarf. Allein im vergangenen Jahr hätte man für eine optimale Beschilderung 20 000 Euro investieren müssen.

„Im Prinzip ist der Landkreis gut aufgestellt, aber der Zahn der Zeit nagt, und die Konkurrenz schläft auch nicht“, sagt Thomas Lötsch, Leiter der Agentur für Wirtschaftsförderung. „Es gibt eine gestiegene Nachfrage in diesem Sektor und die bedingt auch weiterentwickelte Produkte.“ Laut Deutschem Tourismusverband werden mit dem Fahrradtourismus schon jetzt über neun Milliarden Euro umgesetzt – Tendenz steigend. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die zunehmende Bedeutung von Elektrofahrrädern (siehe auch Infokasten). Durch sie haben insbesondere ältere Menschen die Möglichkeit, auch längere Strecken zu bewältigen. Im vergangenen Jahr wurden 300 000 dieser Fahrräder verkauft. Das ist ein Plus von 50 Prozent gegenüber 2010, teilt der ADFC mit.

Um dieses Potenzial noch stärker zu nutzen, schlug die Agentur für Wirtschaftsförderung vor, mit EU-Fördermitteln einen großen Rundumschlag für die Optimierung der Radwege zu tätigen. Ein neues Kataster der Wege sollte angelegt und Bestand und Beschilderung der Routen überdacht werden. „Die Strecken könnten dann als Themenrouten vermarktet werden“, sagt Anke Fiedler, die bei der Agentur für Wirtschaftsförderung für das Fahrradnetz zuständig ist. Zudem könnte man Infotafeln aufstellen, die auf die nächste Raststätte oder Fahrradwerkstatt hinweisen.

Zwischen 100 000 und 120 000 Euro müssten dafür investiert werden. Durch eine mögliche Förderung mit EU-Mitteln würden etwa 50 000 Euro Eigenanteil für Kreis und Gemeinden bleiben.

Doch dieses Projekt liegt vorerst auf Eis. Im Tourismusausschuss des Kreises hat man die Empfehlungen zur Optimierung zwar zur Kenntnis genommen, auf den Weg gebracht wurde jedoch nichts. „Es ist ein sehr zweckmäßiges Projekt, aber es gibt meiner Meinung nach mittelfristig keine Realisierungschance“, sagt Kreisrat Günter Jochimsen. Er gibt an, dass viele Gemeinden die Fördermittel lieber für andere Projekte einsetzten als für Radwege. Und auch der Landkreis sei finanziell durch die Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung eingeschränkt.

Ganz tot ist das Projekt allerdings nicht. „Wir wollen beim Thema Fahrradtourismus weiter am Ball bleiben“, sagt Albrecht Harten, der für die CDU im Tourismusausschuss sitzt. Auch Daniela Behrens, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag, sagt, dass man das Thema im nächsten Jahr erneut aufgreifen könne, wenn die Verwaltung ein gutes Konzept vorlege. „Aus der Hüfte geschossen geht das nicht. Zuerst müssen alle Fakten auf den Tisch.“

Die Wirtschaftsagentur habe zwar schon die grundsätzlichen Fakten geliefert, sagt Thomas Lötsch. Wenn es die Politik verlangt, könne man auch noch konkreter werden. Aber auch das verursache natürlich weitere Kosten.

Elektrofahrräder

Im Landkreis Cuxhaven wird derzeit daran gearbeitet, ein Netz für Elektrofahrräder aufzubauen. Neben dem Verleih zählen dazu auch Stationen für den Akkuwechsel. Momentan werden noch Betriebe gesucht, die sich daran beteiligen wollen. Informationen gibt die Agentur für Wirtschaftsförderung, 0 472 1/5 99 60.

Dieser Artikel ist am 29.03.2012 in der Nordsee-Zeitung erschienen.