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Kleiner Grenzverkehr auf der Buslinie 505

Ziemlich genau 25 Kilometer sind es von Debstedt bis an die südlichste Spitze Bremerhavens in Wulsdorf. Gut 75 Minuten dauert die Fahrt mit der Buslinie 505. Keine Weltreise, aber doch eine Reise durch ganz verschiedene Welten. Meine Multi-Media-Reportage zeigt, wie sich die Welt zwischen Debstedt und Wulsdorf Haltestelle für Haltestelle verändert.

[Zur Multi-Media-Reportage]

Ausgabe der Nordsee-Zeitung zur Buslinie 505.
Ausgabe der Nordsee-Zeitung zur Buslinie 505.

Brückenbauer für die Seeleute

Sie sind der erste Ansprechpartner, das Begrüßungskomitee und manchmal auch Retter in der Not. Die Mitarbeiter der Seemannsmission bauen Brücken für die Seeleute in Bremerhaven. Wir haben sie bei der Arbeit begleitet.

Wenn Christine Freytag ihre Sachen packt, weiß sie nie, was sie erwartet. Sie wirft ihren Rucksack in den roten Kastenwagen, zieht sich ihre blaue Warnweste über und macht sich auf in Richtung Hafen. „"Das ist immer eine Überraschung“", sagt sie. Welche Schiffe gerade an der Kaje liegen, erfährt die 41-jährige Diakonin per Internet. Auf der Anzeige des Schiffsinformationsdienstes sind die Containerfrachter als bunte Punkte wie eine Perlenkette an der virtuellen Stromkaje aufgereiht – zwei bis drei steuert Christine Freytag pro Einsatz an. Sie ist für den Schiffsbesuchsdienst der Seemannsmission zuständig. Sie meldet sich nicht vorher an. Sie fährt einfach los.

Multi-Media-Reportage zu diesem Beitrag

Die rote Warnleuchte blinkt, als die Diakonin durch den Hafen fährt. Sie hat Zugang, wo andere nicht hinkommen, fährt vorbei an den riesigen Stahlboxen und den umhersausenden Vancarriern bis an die Kaje. Dort parkt sie direkt unter den Containerbrücken, schnappt sich den Rucksack und läuft die steile stählerne Gangway zu den dicken Pötten hinauf. "„Seamen’s Mission“", sagt sie zu dem Crew-Mitglied, das auf der „MSC Lieselotte“ am Eingang zum Schiff steht. Ohne Anmeldung kommt hier keiner an Bord. Dann geht es durch ein Labyrinth aus Treppen, Gängen und Luken in das innere des Stahlkolosses. Das Ziel: Die Schiffsmesse.

Wo die Seeleute Dampf ablassen können“

Hier macht ein Teil der Crew gerade Mittag. Jetzt geht die Arbeit für Christine Freytag los. „Ich sorge dafür, dass die Leute Informationen über die Umgebung bekommen.“ Wo der Seemannsclub ist, wo man etwas einkaufen, wo man Geld in die Heimat schicken kann? – Christine Freytag kennt die Antworten.

Und sie hat Telefonkarten dabei. Die sind noch immer heiß begehrt auf den Schiffen. Internet und Telefon auf hoher See ist längst nicht überall Standard. Da brauchen die Seeleute ein funktionierendes Smartphone.

Was zunächst ziemlich geschäftlich wirkt, ist für Christine Freytag allerdings nur der Türöffner. Nicht immer, aber manchmal, entspinnen sich aus den kurzen Stippvisiten lange Gespräche. "„Man bekommt an Bord schon den Ton der Besatzung untereinander mit, manchmal wollen die Leute auch Dampf ablassen“", sagt Freytag. "„Es gab auch schon Situationen, wo jemand gesagt hat: ,Dich schickt der Himmel‘ weil er dringend zum Zahnarzt musste.“"

An einem der Tische sitzt Sandeep Kumar aus Indien. Er ist Zweiter Offizier an Bord des Schiffes und froh über die Besuche der Seemannsmission. "„Es ist sehr wichtig für uns, dass wir wissen, wie die Lage vor Ort ist“", sagt der Inder. "„Es ist nicht so leicht, uns in der Umgebung zurechtzufinden, hier hilft uns die Seemannsmission.“"

Christine Freytag arbeitet seit fünfeinhalb Jahren für die christliche Einrichtung. „"Ich bin schon mit dem Hang zum Wasser geboren“", sagt die Osnabrückerin. Sie liebe die Internationalität bei ihrem Beruf. "„Manchmal würde ich gerne mitfahren"“, sagt sie, auch wenn sie weiß, dass ein kurzer Besuch etwas anderes ist, als Monate ohne festen Boden unter den Füßen und weit weg von der Familie. „"Viele Seeleute leiden darunter, wenn sie ihre Familien so lange nicht sehen“", sagt Freytag.

Wohnzimmer für die Seeleute

Ein Seemann auf dem nächsten Schiff -– der „Miramarin“ -– zeigt ihr das Foto seines zweieinhalb Jahre alten Sohnes und guckt halb glücklich, halb traurig. Ein anderer fragt: "„Ich brauche noch Schuhe, wann machen die Geschäfte zu?“"

Als Christine Freytag alle Fragen beantwortet hat, geht sie wieder von Bord. Mit in ihrem roten Kastenwagen sitzen nun zwei Seeleute, die zum Seemannsclub „Welcome“ an der Eisenbahndrehbrücke wollen. Dort steht Antje Zeller hinterm Tresen. Die 53-Jährige leitet den Club, seit 29 Jahren arbeitet sie bei der Seemannsmission. In den Sesseln sitzen einige Seeleute, sie blicken auf ihre Handys, reden über das Internet mit ihren Familien. "„Die Schiffe liegen hier nur ein paar Stunden, da möchten sich die Seeleute entspannen, ihre Freizeit gestalten und in erster Linie Kontakt mit ihren Familien aufnehmen“", sagt Zeller. Der Club ist Bar, Wohnzimmer, Andachtsraum und Fitnessstudio in einem. Draußen spielen die Seeleute mit dem Hund von Antje Zeller. Neben dem Sportplatz rollt gerade ein riesiger Autotransporter vorbei. Die große weite Welt ist hier ganz dicht dran.

Valentin Lodz ist zu Hause im Seemannsheim

In der Seemannsmission an der Schifferstraße ist das nicht anders. 36 Betten stehen hier für die Seemänner zur Verfügung. Geleitet wird die Einrichtung von Dirk Obermann. "„Wir sind so etwas wie ein kleines Hotel für Seeleute“", sagt er. Wer auf den nächsten Einsatz warte, finde Unterschlupf. Das Heim wirkt wie eine moderne Jugendherberge, am Eingang gibt es einen Tresen, hier trinken die Männer Bier, schnacken oder nehmen Kontakt zur Heimat auf. Die Zimmer sind hell und freundlich. Auch Seeleute wollen Komfort.

Einige sind aber nicht nur für ein paar Tage hier. Valentin Lodz zum Beispiel. Der 70-Jährige geht seit 20 Jahren im Seemannsheim ein und aus. Bis vor fünf Jahren ist er als Koch zur See gefahren, seitdem wohnt er fest hier. "„Hier kommt man mit Menschen zusammen, egal, welche Nationalität sie haben“", sagt Lodz. Er brauche nur die Treppe herunterzugehen, sei nie einsam. "„Hier kennt man Hans und Kunz und Franz“", sagt er und schlürft seinen Kaffee.

"Die christliche Einrichtung stehe für jeden offen", sagt Einrichtungsleiter Dirk Obermann. Religiosität sei nicht Voraussetzung, um die Dienste des Seemannsheims in Anspruch nehmen zu können. Das gelte für die ganze Seemannsmission. „"Wir sind so ein bisschen das Begrüßungskomitee für die Seeleute"“, sagt Obermann. „"Wir repräsentieren die Stadt.“"

Diese Reportage ist am 7. November in der Nordsee-Zeitung erschienen.

Frau Piethan sagt Hallo

Die Kinder in der Klasse von Alisa Piethan kommen aus Syrien, Bulgarien oder Rumänien. Ihre Familien sind geflohen oder suchen hier eine bessere Zukunft. Auch für diese Kinder gilt die Schulpflicht. Doch meist sprechen sie kein Deutsch und müssen sich in einer völlig neuen Kultur zurechtfinden. Bei den Willkommenskursen der AWO sollen sie auf den Schulalltag vorbereitet werden – und ganz einfach Kind sein dürfen.

Wenn Alisa Piethan ihren Schülern eine Aufgabe gibt, weiß sie, dass nur wenige genau verstehen, was sie eigentlich meint. „"Ich spreche hier Deutsch“", sagt die 30-jährige Lehrerin. Für ihre Schüler gilt das nicht. Sie sprechen arabisch, rumänisch oder bulgarisch und sind zwischen 6 und 13 Jahre alt. Einige haben schon die Schule besucht, andere hatten dazu bisher keinen Zugang, manche sind möglicherweise traumatisiert. Trotzdem sollen alle gemeinsam lernen. Kann das funktionieren? Alisa Piethan ist sich sicher, dass das klappt. Sie hält eine Zeitung hoch, und schreibt das Wort an die Tafel. Die Kinder schreiben mit und sprechen nach: „Zei-tung“ – wieder ein neues Wort.

Ausflug mit den Flüchtlingskindern in die Kunstgalerie

Die Klasse von Alisa Piethan ist einer von elf Willkommenskursen in Bremerhaven. "„Am Ende sollen sich die Kinder auf Deutsch verständigen können und wissen, was in der Schule von ihnen verlangt wird“", sagt Piethan. Ein strammes Programm für die acht Wochen, die vorgesehen sind. Unmöglich sei es aber nicht. "„Das ist sehr wichtig, was wir hier machen“", sagt die Russin, die vor acht Jahren nach Deutschland gekommen ist und seit vier Jahren in Bremerhaven lebt. Sie hat in ihrer Heimat Deutsch studiert, weiß, wie schwer es auch mit Sprachkenntnissen ist, in einem anderen Land Fuß zu fassen. Da brauche es einen guten Start.

In den Kursen geht es nicht allein um die Sprache. "„Deutsch kommt bei den Kindern von ganz alleine“", sagt die Lehrerin. "„Wir sprechen und spielen hier viel.“" An diesem Vormittag steht basteln auf dem Programm. Die Kinder schneiden sich Mützen und Schürzen aus Zeitungspapier, setzen sie sich gegenseitig auf. Sie lachen, reden miteinander, auch wenn sie gar nicht die gleiche Sprache sprechen. „"Die Kinder sind sehr lieb zueinander“", sagt die Lehrerin. Kulturelle Unterschiede gebe es hier nicht. Flüchtlingskinder dürfen hier einfach Kinder sein.

Jede Woche steht ein anderes Thema auf dem Programm. Die Kinder waren schon gemeinsam im Baumarkt oder haben die Galerie Goethe45 in Lehe besucht. "„Es geht in den Kursen darum, dass sich die Kinder willkommen fühlen“", sagt Leyla Weiß, die die Kurse bei der AWO koordiniert. Ganz nebenbei sollen die Kinder noch das Schulsystem kennenlernen, Pünktlichkeit erlernen und auch ein regelmäßiges Frühstück erhalten. "„Im besten Fall haben sie bei uns auch schon ihren Schulweg einmal abgelaufen“", sagt Weiß.

In der Klasse von Alisa Piethan steht die nächste Aufgabe an. Die Kinder sollen fünf verschiedene Wörter in einem Zeitungsartikel finden und markieren. Die Lehrerin hilft. "„Dankeschön, Frau Piethan“", sagt Erhan aus Bulgarien, nachdem er mit der Aufgabe fertig ist -– wieder ein neues Wort.

Dieser Beitrag ist am 29. September 2015 in der Nordsee-Zeitung erschienen.

Im Haus der tausend Lebensläufe

Im Jobcenter Bremerhaven werden derzeit rund 12400 Menschen betreut. Arbeitslosigkeit und Hartz IV gehören zum Tagesgeschäft der Arbeitsvermittler. Einblicke in einen Alltag zwischen Bewerbungen, Lebenskrisen und kleinen Erfolgen.

Um 11 Uhr klopft das nächste Schicksal an die Tür von Horst Brickwedel. Und der 49-Jährige weiß Bescheid. „Herzlichen Glückwunsch zum sechsten Kind“, sagt er zu Kurt Müller*, der seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Was gibt’s Neues?“, fragt Brickwedel.

Müller, schwarze Jacke, schwarze Hose grau-melierte Haare, kommt gleich zum Punkt. „Ich habe meinen Lohn nicht bekommen, meine Chefin ist voll durchgedreht, weil ich krank war. Ich wurde gekündigt“, erzählt der 48-Jährige. Jetzt ist der frühere Service-Fahrer wieder auf Hartz IV und Horst Brickwedel denkt sich einen Plan aus, um das zu ändern. Im Radio laufen leise die Fantastischen Vier.

„In Bremerhaven wird gerade eine dritte Taxizentrale aufgemacht“, sagt der Arbeitsvermittler. „Wie wäre es mit einer Weiterbildung, einem Personenbeförderungsschein?“ Kurt Müller fackelt nicht lange und nickt. „Was soll ich zu Hause sitzen? Es ist ein Scheißgefühl ohne Job, Hauptsache, ich kann was machen“, sagt der 48-Jährige. Der Plan steht, die Chancen sind gut, dass Kurt Müller bald wieder Arbeit hat. „In meinem Bereich ist ein Arbeitsmarkt vorhanden“, sagt Brickwedel. Kleine Modelle von Lastwagen stehen überall in seinem Büro. Er ist Spezialist für die Kraftfahrtbranche, macht den Job seit neun Jahren. Brickwedel ist Quereinsteiger, hat Rechtspfleger studiert und ist dann irgendwie beim Jobcenter gelandet.

„Ich habe noch nie jemanden gezwungen, einen Job zu machen, das bringt nichts“, sagt er. 150 Kunden hat er, so heißen die Menschen, die hier betreut werden. Die meisten seien motiviert. Obwohl das nach langer Zeit ohne Arbeit gar nicht so einfach sei. „Das Geld läuft ja, die Routinen haben sich eingespielt“, sagt Brickwedel ganz trocken. Es sei nicht leicht, einen solchen Tagesablauf zu verändern. „Das ist der Knackpunkt.“

Über 270 Menschen arbeiten beim Jobcenter. Rund 100 Vollzeitstellen stehen für die Vermittlung von Arbeit zur Verfügung. Die Arbeitsvermittler können Bildungsgutscheine ausgeben oder Sanktionen verhängen, sie sondieren den Arbeitsmarkt, suchen nach offenen Stellen, helfen bei Bewerbungen. Manchmal sind sie aber auch Sozialarbeiter, Mutmacher, die letzte Rettung.

Ein Stockwerk höher sitzt Kerstin Baitz hinter ihrem Schreibtisch – Büro 421. Aus dem Fenster geht der Blick über Geesteschleife, Kapitänsviertel und die Windkrafträder am Horizont. Drinnen ist die Aussicht nicht ganz so gut. Kerstin Baitz kümmert sich um Langzeitarbeitslose. Vor ihr liegen die Bewerbungsunterlagen einer jungen Frau, die hier eigentlich gar nicht sitzen sollte. „Manchmal ist es wie verhext“, sagt Kerstin Baitz zu Cathrin Herz – heute ist sie Mutmacherin.

Die 25-Jährige ist seit fünf Jahren arbeitslos. Dabei ist sie ausgebildete Verkäuferin, motiviert, und kann selbst nicht begreifen, warum sie so lange ohne Job ist. „Ich habe über 100 Bewerbungen geschrieben“, sagt sie. Zu zwei Gesprächen sei sie eingeladen worden – zwei Gespräche in fünf Jahren. „Es muss an meinen Papieren gelegen haben, ich arbeite besser, als meine Papiere es vermuten lassen“, sagt Cathrin Herz. Die Langzeitarbeitslosigkeit belastet sie, die Aussicht auf einen Job – für sie klingt das fast ein bisschen wie ein Traum: „Wenn ich Arbeit hätte, das wäre ein Stück Freiheit, sich selber zu überlegen, was man machen kann, ich könnte mir überlegen, in eine eigene Wohnung zu ziehen, nicht mehr bei meiner Mutter zu wohnen, das wäre schon nicht schlecht.“

Ralf Rademacher sitzt im Büro nebenan. Er war selbst mal eine Zeit lang arbeitslos und kümmert sich heute ebenfalls um Langzeitarbeitslose. Auch er ist ein Quereinsteiger. „Manche Menschen müssen wir aus tiefen Löchern herausholen, aus psychischen Löchern, aus finanziellen Löchern“, sagt der 49-Jährige. In dem Projekt für Langzeitarbeitslose gehen die Arbeitsvermittler auf potenzielle Arbeitgeber zu, machen eine Anstellung mit Lohnzuschüssen schmackhaft. „Der bisherige Weg hat nicht funktioniert“, sagt Rademacher, „wir müssen einen anderen Weg gehen und versuchen, das Pferd von hinten aufzuzäumen“. Ob das gelingt, kann er selbst noch nicht sagen, das Projekt ist gerade erst angelaufen. Doch er hofft, etwas ändern zu können. „Ich stoße sehr oft auf Menschen, die deprimiert sind, die sagen: ,Ich möchte arbeiten, aber ich brauche mich gar nicht zu bewerben.‘ Das höre ich ganz oft“, sagt Rademacher. „Da braucht man Empathie, wir machen viel Sozialarbeit, bevor wir mit unserer eigentlichen Arbeit loslegen können.“

Die eigentliche Arbeit – das ist die Vermittlung von Jobs. Doch so einfach ist es nicht, die Menschen wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Denn hier steht die Wirtschaftlichkeit an erster Stelle. Da haben Langzeitarbeitslose schlechte Karten.

Die Tausende Schicksale im Jobcenter, sie finden sich in den Zahlen auf dem Schreibtisch von Udo Bartau wieder. Wenn man den stellvertretenden Geschäftsführer des Jobcenters nach den Erfolgen fragt, holt er erst mal tief Luft. „Zahlen gibt es jede Menge“, sagt er. Für Bremerhaven heißt das: Im vergangenen Jahr konnten rund 3000 Hartz-IV-Empfänger in einen Job vermittelt werden, nach einem halben Jahr waren noch 60 Prozent davon in Arbeit. „Das ist gar nicht mal schlecht“, sagt Bartau. Das Problem seien aber gerade die Menschen, die schon sehr lange von Hartz IV leben. Menschen, die innerhalb von 24 Monate 21 Monate Leistungen bezogen haben, fallen in diese Kategorie. Sie machen 70 Prozent der Kunden beim Jobcenter Bremerhaven aus. Um 0,5 Prozent habe man den Bestand im vergangenen Jahr reduzieren können – ein Tropfen auf den heißen Stein. Bartau weiß das. 12,7 Millionen Euro stehen seinen Mitarbeitern zur Verfügung, um die Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Doch die wirtschaftlichen Verhältnisse – sie sind nun einmal so. „Der Markt gibt nicht mehr her.“

Ein Kampf gegen Windmühlen? Bartau schüttelt den Kopf. „Man muss das als Gesamtsystem begreifen, wir leisten hier Lebensunterhalt für viele Menschen.“ Die Zahlenkolonnen vor ihm auf dem Tisch rücken in diesem Moment in weite Ferne. „In jeder Integration steckt ein Menschenleben, das darf man nicht vergessen, das sind keine Zahlen“, sagt er.

* Name geändert

Dieser Artikel ist am 18. April 2014 in der Nordsee-Zeitung erschienen.
Eine Webreportage ist hier zu sehen.